Heiße Eisen beim Gropiusgeflüster

Am Anfang ist es gar nicht so einfach: Kiara braucht vier, fünf Schläge, bis sie den Ball genau durch die kleine Aussparung am Ende der schmalen Rampe gespielt hat. Als sie es schafft, springt der Golfball im Schatten von zwei großen Birken die Treppe herab, direkt vor das Ziel. Jubel bei den Kids, die sich rund um die Bahn auf ihre roten und blauen Minigolfschläger stützen – aber auch ein klein wenig Ungeduld. Denn zwei weitere temporäre Minigolfbahnen werden gerade noch bemalt und sind noch nicht spielbereit — weshalb sich am Abschlag von Loch 1 eine kleine Schlange gebildet hat.

Künstlerin Sοphia Ηirsch kniet einige Meter entfernt auf einem Fließ zwischen Farbeimern, während zwei Mädchen neben ihr eifrig drauflospinseln. Normalerweise gestaltet sie gemeinsam mit ihrem Partner Jοhannes Mυndinger Fassaden und Räume, heute bespielt sie im Rahmen von Gropiusgeflüster den Spielplatz am Harry-Liedtke-Pfad.

Unterwegs mit der Roten Spielekiste

„Die Kinder können sich mit Farbe und Pinsel kreativ austoben – und anschließend ihre Werke auch noch selbst bespielen“, sagt sie. Während sich am Anfang vor allem Kinder an Pinsel und Schläger trauen, kommen im Lauf des Nachmittags auch die Eltern dazu. Eingeladen hat der Groopies-Kiezladen / Evin e.V., Kooperationspartner im Projekt Gropiusgeflüster. Koordinatorin Kerstin Braun kennt viele der rund 50 Kinder und Eltern, die sich heute um den Spielplatz versammelt haben. Zwei Mal in der Woche ist sie selbst mit der roten Groopies-Spielekiste im Quartier unterwegs, dazu gibt’s Kaffee und Wasser, immer Mittwochs und Donnerstags zwischen 15 und 18 Uhr.

Dabei geht es nicht nur um den Spaß mit den Kindern, sagt Braun: „Wir sind Anlaufstelle für viele Fragen im Quartier.“ Sie und Ihre Kolleginnen beraten Eltern vor Ort in den Sprachen deutsch, englisch, türkisch, arabisch, kurdisch; sie helfen, wenn es Schwierigkeiten mit dem Nachwuchs gibt, in der Familie oder auch in persönlichen Belangen, begleiten bei Behördengängen oder verbinden Eltern und Kinder mit anderen Einrichtungen.

„Haben Sie einen Golfball gesehen?“

Die Bälle, Ringe und Diabolos aus der Spielekiste sind auch heute beliebt. Rund um das Vorlesezelt tummelt sich eine kleine Kinderschar. Gerade sind auch die zweite und dritte Golfbahn fertig geworden – derweil stecken einige Kinder  schon die Köpfe in’s benachbarte Gebüsch. Dass der ein oder andere Ball im Grün verschwindet, lässt dich bei dieser Sportart kaum vermeiden. Zum Glück haben Hirsch und Mundinger noch einige Ersatzbälle mitgebracht. Denn die Bahnen werden nicht zum letzten Mal bespielt: Nach dem Ende der Aktion lagern sie bei den Groopies und werden auch bei weiteren Gropiusgeflüster-Aktionen dabei sein.

Gropiusgeflüster ist ein Projekt von Die Brueder in Kooperation mit Tripolis und Conceptfabrik. Es wird begleitet durch das Quartiersmanagement Gropiusstadt und gefördert durch die Europäische Union, die Bundesrepublik Deutschland und das Land Berlin im Rahmen der Zukunftsinitiative Stadtteil, Programm Soziale Stadt.

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